Herumtreiberei

Nachdem ich mich nun schweren Herzens doch bei den Lokalisten angemeldet habe und gespannt bin, ob mir diese Form des Onlineaustauschs liegt, kam ich beim Ausfüllen meines dortigen Profils zu der Frage nach dem „perfekten Tag“.
Interessanterweise gestaltet sich ein solcher, trotz meiner geradezu ausartenden grundlegenden Ablehnung von Sport jeglicher Art, durchaus anstrengend. Mein idealer Tag schaut nämlich so aus, dass ich mich in einer frei zu wählenden, aber unbedingt interessanten Großstadt befinde und dann den ganzen langen Tag damit verbringe, diese per pedes zu erkunden. Übrigens hat FM4 auch schon wieder über das Thema geschrieben.
Normalerweise gehe ich wie folgt vor:
Man nehme sich im Vorfeld der Reise einen Reiseführer, einen Stadtplan, ein Stadtmagazin oder zur Not tuts auch das Internet, und orte hiermit die interessanten Viertel abseits der klassischen Touristenwege. Dies funktioniert am besten über die Adressen guter Läden, Cafes oder Clubs, oft ist auch das örtliche Schwulenviertel ein guter Tipp.
Pro Tag ist dann eine oder wenn sie benachbart sind auch mehrere Gegenden dran. Mit dem Stadtplan bewaffnet verlässt man die zentralste U-Bahnstation und schaut sich erst mal gründlich um. Und schon kanns losgehen, in die Richtung die am spannendsten aussieht. Wenn alles uninteressant wirkt, hilft es, sich (unauffällig) an sympathische Passanten zu hängen und mal zu sehen, wo die so hinlaufen.
Am besten funktioniert diese Methode der Stadterkundung übrigens leider auf autistische Art, also alleine. Begleiter frustriert man nämlich schnell, wenn sich auch nach 4 Blocks immer noch nix von der versprochenen Szenegegend zeigt und stattdessen nur die Passanten spärlicher werden. Seitdem mir das in Paris auf der Suche nach dem interessanten Abschnitt der berühmten Rue Oberkampf passiert ist, ist mein Mann bei Ankündigung von Streifzügen immer recht schnell im nächstgelegenen Cafe verschwunden und bittet mich, ihn in ein paar Stunden abzuholen.
Schöne Orte mit dieser Methode entdeckt:
Hamburg: Aussichtsplattform an der Hafenstrasse in St. Pauli mit wunderbarem Blick auf die Ozeanriesen im Hafen (siehe Foto).
Berlin: Die Kneipe Alois S. im Prenzlauer Berg. Erstens gibt`s da Augustiner Bier und zweitens heißt so auch noch ein lieber Freund von mir.
London: Ein riesiges Pub direkt am südlichen Ufer der Themse mit Blick auf die Tower Bridge, das schiefe Gebäude der Stadtverwaltung und die HMS Belfast, ein Kampfschiff mit dem schon im zweiten Weltkrieg die Deutschen plattgemacht wurden. Besonders schön zum Draußensitzen in lauen Sommernächten.
New York: Ein verlassenes Dock am East River in Williamsburg, Brooklyn das man erreicht, wenn man durch verwitterte Zäune steigt und die ehemals brennenden Ölfässer der Obdachlosen umschifft. Dafür steht man dann da am Ufer und hat ungetrübten Blick auf Manhattan in seiner ganzen Pracht.
Wien: Das Cafe der KPÖ an einem versteckten Platz nicht weit von der Mariahilferstrasse.
Viertel die demnächst noch drankommen:
Berlin: Schöneberg und Neukölln (am Übergang zu Kreuzberg)
London: Das „karibische“ Notting Hill, das indisch/pakistanische East End
New York: Harlem, Chelsea, Roosevelt Island
Paris: Le Marais und Montmatre

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