Sowieso und Irgendwo

Dienstag, November 14, 2006

Berliner Republik im Größenwahn oder wie ich den neuen Hauptbahnhof in Berlin zu hassen lernte

Es hat eine Zeit gedauert, aber ich hab doch noch letztes Wochenende die Gelegenheit erhalten, den neuen, berühmt-berüchtigten Berliner Hauptbahnhof zu testen. Und die Stiftung Bahnhofstest kommt zu folgendem Ergebnis:

Warum ich den neuen Bahnhof in Berlin hasse:

1. Großmannssucht
Neubauten in der deutschen Hauptstadt leiden ja seit geraumer Zeit an dem Problem der überzogenen Überdimensioniertheit. Als Paradebeispiel für den Schwanzvergleich ausgetragen in Form von Architektur mußte ja bisher immer der Potsdamer Platz herhalten. Auch das Bundeskanzleramt, liebevoll auch als übergroße Waschmaschine betitelt, war stets ein heißer Kandidat für den Titel: Absurdestes Gebäude der Stadt. In diese Reihe fügt sich nun der neue Hbf nahtlos ein. Ein Gebäude, völlig an den Bedürfnissen der Kunden vorbeigebaut.

2. Nahverkehrsanschluß
Den größten Bahnhof Europas ohne U-Bahnanschluß zu eröffnen, DAS nenne ich albern. Fernreiseankömmlinge über unzählige schmale und völlig unzureichend ausgeschilderte Rolltreppen vom 1. Untergeschoß (Ankunft Fernzüge) ins 2. Obergeschoß zur S-Bahn zu hetzen empfinde ich als Zumutung. Aber wenigstens fährt die einzig existente Buslinie ohne Umsteigen zum Willy-Brandt-Haus durch. Wenn da mal nicht die Sozis dahinter stecken :-)

3. Geschäftsschluß
Jeder verdient eine zweite Chance. Auch der gescholtene Bahnhof. Deshalb fuhr ich am Samstag nach Seminarende auch nochmal vorbei, um meine Eindrücke der integrierten Shopping Mall zu vervollständigen. Mit Einkaufen kann man mich ja immer locken :-) Und was muss ich bei meiner Ankunft um 22.50 Uhr feststellen? Alles geschlossen! Der Berliner Hauptbahnhof hat nämlich um 22.00 Uhr Ladenschluß. Blöd, irgendwie.

4. Es zieht
Die Winter in Berlin sind hart. Und obwohl der herbstliche Sonntag meiner Abreise temperaturtechnisch akzeptabel war, konnte man doch schon einen Vorgeschmack erhalten, was im Winter passieren wird: Im nagelneuen Hauptbahnhof zieht es nämlich wie Hechtsuppe. Egal in welches Eckchen man sich verzieht, der Wind kriecht in die hintersten Winkel und vermiest den Wartenden gehörig die Laune. Wers warm haben will, dem bleibt nur der Besuch der Gastronomie und/oder der Ladengeschäfte...

5. Die Zumutung aller Zumutungen
Ich hatte noch 1 1/2 Stunden Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Ich hätte gerne die Lösung mit den Geschäften gegen Kälte gewählt. Allerdings waren da noch meine zwei schweren Taschen und diverse Tüten hinderlich. Reisegepäck halt. Aber dafür gibts ja Schließfächer. In München und Hamburg, in Landshut und sogar in Pocking finden sich an den Bahnhöfen diese wunderbaren kleinen Erfindungen. Nur nicht in Berlin Hbf. Da gibts nämlich aus Sicherheitsgründen nur eine Gepäckaufbewahrung mit Durchleuchtung. Für 3 Euro pro Gepäckstück und einer sonntäglichen Schlange von mindestens 60 Leuten davor. Also kein Shopping, sondern nur mühseliges Erstehen von Zeitungen und Absitzen des Aufenthaltes in einem Fast-Food-Asia-Restaurant (das allerdings recht gut war). So hatte ich mir den neuen Bahnhof nicht vorgestellt.

Und deshalb stelle ich folgende Forderung auf: Fahrt sofort wieder Berlin Ostbahnhof an!!!

3 Comments:

Anonymous Anonym said...

mein Liebelingsspiel war letztins am neuen Berliner Bahnhof: finde die DB Lounge. Übrigens ein lustiges Spiel zum nachmachen - geschätzte Zeit: 20 Minuten.
Besser getarnt war noch nie eine DB Lounge.

Meine Forderung deshalb: München muss Hauptstadt werden.

Weltstadt ist Berlin auf jeden Fall nicht.

11:11 PM  
Blogger Nicky said...

blöderweise ist auch der münchner hauptbahnhof nicht der brüller. aber wenigstens übersichtlicher...

10:28 AM  
Blogger poplinker said...

Bahnhof + Hauptstadt hin oder her - ich wäre ja schon froh, wenn München ein eigenes Bundesland würde ... auf jeden Fall ohne Oberbayern, vielleicht noch mit dem Flughafen ...

12:22 AM  

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