Sowieso und Irgendwo

Dienstag, Oktober 17, 2006

Punk is dead

Es hat sich lange angekündigt. Und hingezogen. Aber am Sonntag war es dann soweit: Das CBGBs, Heimat und Ursprungsort des amerikanischen Punk und Undergrounds, hat endgültig geschlossen. Bevor das letzte Mal das Licht ausging erlebte der Club noch ein letztes Konzert von Patti Smith.
Dem Ort an dem die Ramones ihre Karriere begonnen haben, hatten überzogene Mietforderungen zuletzt den Gar aus gemacht. Die Debatte war bereits heiß im Gange als ich letztes Jahr in NY war und es zeigte sich recht deutlich, dass der Amerikaner an sich es nicht so wichtig hat mit der Vergangenheitspflege. Wußtet ihr beispielsweise, dass die Stadt New York eigentlich die Grand Central Station abreißen lassen wollte und durch einen Wolkenkratzer ersetzen? Ja, ich rede von diesem unglaublich beeindruckenden Bahnhofsgebäude, das die Kulisse für zahlreiche Filme und Fotoproduktionen abgegeben hat. Kapitalistisch betrachtet hat der Abriß durchaus was für sich, immerhin fahren nur noch Vorortzüge von dort ab. Ein etwas überdimensionierter Bahnhof Pasing quasi... Erst Jackie Kennedy, die First Lady, hat damals einen Erhalt des Bahnhofs durchsetzen können.
Nun, leider lebt Jackie Kennedy (Onassis) nicht mehr und selbst wenn wäre es recht fragwürdig, ob sie sich für den Punkclub in Downtown Manhatten stark gemacht hätte. Und aus eigener Erfahrung muss ich sagen: Gemütlich wars in der Gegend vom CBGBs definitiv nicht. Ich bin ja, ganz popkulturell beflissene Touristin, zur Bowery gepilgert, um Fotos vom legendären Veranstaltungsort zu machen. Wenn ich schon kein Konzert gefunden habe, das mich interessiert. Ich kam in der Dämmerung an und mußte feststellen: Wer zum CBGBs wollte, mußte erst mal an der Klientel des Vermieters vorbei. Vermieter und damit der Verursacher der überzogenen Mietforderungen ist nämlich ein Betreiber von mehreren Obdachlosenasylen in Manhatten. Und eines der Wohnheim befindet sich direkt oberhalb des Clubs. Weil die Zimmer so ungemütlich sind, bevorzugen es die Bewohner, ihre harten Gute-Nacht-Drinks und sonstige (Pillen)Cocktails auf dem Bürgersteig einzunehmen. Wenn man nicht das Gemüt einer Bulldogge hat, definitiv kein Spaß als Alleinreisende.
So gesehen kann ich persönlich den Verlust verschmerzen. zumal der Pächter plant, das CBGBs andernorts wieder zu eröffnen. Angeblich in Vegas. Sozusagen als Hard Rock Cafe für Altpunks. Und das Merchandising dürfte genug Geld für einen ruhigen Lebensabend einbringen.

Zum Weiterlesen:
Artikel im Spiegel
Artikel in der Netzeitung
Wikipedia deutsch zum CBGBs
Wikipedia englisch
Indiepedia