Sowieso und Irgendwo

Mittwoch, September 06, 2006

Klein aber oho




Vor kurzem saßen Mann und ich in der U3 Richtung Olympiastadion einem alten Mann gegenüber. Der Mann war etwas zerknautscht und starrte unablässig aus dem Fenster auf die dahinrauschende Wand. So weit, so uninteressant.

Jedoch blickte ein kleines, liebenswürdiges Detail putzmunter in unsere Richtung: Der alte Mann trug seinen Langhaardackel im Arm. Der kleine Kerl hatte sich auf dem Unterarm des Mannes schlafen gelegt. Fest in Herrchens Lodenjacke gekuschelt blinzelte der Mini-Dackel neugierig in unsere Richtung.

Unweigerlich und fast gleichzeitig begannen Mann und ich dezent übers ganze Gesicht zu grinsen. Ganz einfach weil der Mini-Dackel so bezaubernd niedlich war.

Was mich zum nächsten Gedankengang bringt: Wo sind eigentlich die ganzen Dackel hin? Kein Gedanke an Münchens Strassen ohne den obligatorischen Waldi, keine Bierbank ohne den Rauhhaardackel mit Wassernapf am Fuß des biertrinkenden Herrchens...
Überall in der Weltstadt mit Herz nur Modehunde wie magersüchtige Chihuahuas, prätentiöse West Highland Terrier, potthäßliche Möpse oder klapprige Windhunde.

Liegt es etwa an der Anfälligkeit von Dackeln für Rückenprobleme? Die sogenannte Dackellähmung kann das Alter des kurzbeinigen Hundes zur Qual machen, Herrchen müssen ihre Lieblinge jede Treppe hochtragen und wer jemals einen Waldi im Hunderollstuhl gesehen hat, bekommt unweigerlich Mitleid.

Oder ist es die charakterliche Eigenheit des gemeinen saufarbenen Rauhaardackels? Schmeichelhaft ausgedrückt könnte man sagen, Dackel haben ihren eigenen Kopf. Im Klartext: Der Besitzer kann das klassische Herrchen-Hund-Verhältnis vergessen, wenn nicht sogar diametral entgegengesetzt verstehen. Dackel tun grundsätzlich nur, was ihnen paßt. Und was nicht paßt wird mit einem Blick aus bettelnden tiefbraunen Augen ganz schnell passend gemacht. Das hat der klassische Hundebesitzer nicht gerne, wenn er nichts mehr zu sagen hat.

Aber es gibt Silberstreifen am Horizont. So scheint es in New York sowas wie einen Teckel-Boom zu geben. Dackel heißen in den USA auch Wiener (ja, wie die Würstchen), was T-Shirt-Herstellern die Möglichkeit zu allerhand zweideutigen Wortspielchen gibt. "I want to show you my wiener" mit der langgestreckten Silouette eines Dackels darunter ist etwa noch der harmloseste Scherz. Auf jeden Fall sieht man in den New Yorker Dog Walks immer mehr kleine Langhaar- und Kurzhaardackel an den Leinen tapsen. Und in der Village Voice bekam der kurzbeinige Hund gar eine ganzseitige Kolumne gewidmet. Ein neurotischer kleiner Hund paßt aber auch allzu perfekt zu den neurotischen Einwohnern der Stadt aller Städte...

Und vielleicht erleben sie ja auch in München ein Revival, die liebenswerten kleinen Grantler-Hunde mit ihren etwas weniger liebenswürdigen großen Herrchen. Am liebsten natürlich in Rauhhaar. Und saufarben. Ganz wie es Tradition ist im grantelnden Altbayern.

2 Comments:

Blogger Nicky said...

Wenn Max ungefähr Handtaschengröße hätte, würde ich ihn vielleicht ganz lustig finden mit seinen Macken.
So läuft er eher in der Kategorie "bedrohlich"...

6:20 PM  
Blogger Nicky said...

nein, nein. saufaben bezieht sich eher auf die fellfarbe einer wildsau. und genauso borstig...

6:42 PM  

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