La Creperie Bretonne fleurie

Ein ganz spezielles Thema in Paris ist Essen. Es gibt Restaurants über Restaurants und an jeder Ecke Brasserien und Cafes. In Paris ißt man nicht einfach im Gehen und im Stehen, sondern man setzt sich ordentlich an einen Tisch mit mindestens zwei Gläsern pro Person und bestellt richtig drauflos: Ein Menü mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise, dazu wird Brot gereicht, Wasser, Wein und sonstige Getränke, zum Abschluß gibt`s natürlich noch Kaffee. Und die Qualität des Essens ist richtig gut. Fleisch braten können sie definitiv, diese Franzosen.
Wermutstropfen ist allerdings, dass das Stillen des Hungers im Normalfall richtig teuer werden kann. Ein 3-Gang-Menü mit Steak als Hauptgericht für 22 Euro ist zwar an sich betrachtet nicht wirklich teuer. Aber für jemand, der in Restaurants normalerweise versucht, beim Essen unter 10 Euro zu bleiben und der mit einem Getränk auskommt (ja, ich bin geizig! :-) ist so ein formule schon ein harter Brocken.
Was also tun, wenn man in Paris ist und nicht hungern möchte? Nun, zum einen kann man sich wunderbar in einer Bäckerei mit einem demi-baguette für 80 Cent (der Preis ist übrigens gesetzlich festgelegt) eindecken, im nächsten Supermarkt Salami und Frischkäse kaufen und sich dann mit ein paar Dosen Cola zu einem Picknick im Freien niederlassen.
Oder man sucht sich eine gute Creperie. Nachdem der Crepe als nationales Kulturgut der Franzosen sowieso verpflichtend zum Sightseeingprogramm gehört, kann man statt den Stehständen genausogut ein traditionelles Restaurant besuchen. Dachten wir uns in Paris auch nach einem langen Tag auf den Beinen als wir unsere ausgehungerten Körper auf schmerzenden Füßen die Rue Charonne hinabschleppten. Es war schon nach zehn Uhr abends und wir sorgten uns ein bißchen wegen der rigiden Essenszeiten in Frankreich. Und da war sie:
Die perfekte kleine Creperie.
War sie von außen schon pittoresk anzusehen, überraschte die Creperie Bretonne im Inneren mit urigem, aber geschmackvollem Dekor: Karierte Tischdecken, holzgetäfelte Wände, Kerzen in Flaschen auf jedem Tisch, Bilder der Bretagne überall und schlichte, gemütliche Sitzecken mit alten Holzbänken. Und der Wirt sah aus wie Bruto, der wuchtige, große Bösewicht aus Popeye. Bloß mit grauem langem Bart. Bruto trug ein französisches Streifenshirt und eine Pfeife schien in seinem Mundwinkel festgewachsen. Von wegen Rauchverbot in Pariser Restaurants :-)
Noch bevor wir bestellen konnten kam die Bedienung, eine äußerst nette Studentin, auf mich zu und ließ einen Schwall französischer Worte auf mich nieder, der mein Schulfranzösisch definitiv überforderte. Was ich ihr radebrechend auch klarmachte. Daraufhin erklärte sie dankenswerterweise auf Englisch, dass uns der Wirt auf einen Kir Breton (abgewandelte Form von Kir Royal, gemacht mit Cidre) einladen wollte. Und warum? Bloß weil ich eines meiner geliebten Streifenshirts anhatte (zufällig), hatte Bruto mich als eine Streiterin der bretonischen Sache identifiziert. Mir wars recht als Separatistin erkannt zu sein, bescherte es doch meinem Mann einen netten Aperitif.
Zu Essen hatten wir dann:
Vorspeise, Saucisson (französische Salami) mit Gürkchen und Brot mit gesalzener Butter (Ich liebe gesalzene Butter. Was ist eigentlich mit den Deutschen los, dass sie sich sowas entgehen lassen?).
Hauptspeise, Crepe Chocolat (ich) und Crepe mit Edelkäse und Walnüssen (Mann).
Nachspeise, hausgemachtes Zitroneneis und einen Kaffee (Mann), ein zweites überteuertes Cola (ich).
Ich kann mich nicht exakt erinnern wieviel wir gezahlt haben. Einzig mein Bauchgefühl in Sachen Geiz sagt mir, dass es für Pariser Verhältnisse außergewöhnlich günstig war. Und lecker. Und der Besitzer und Koch des Ladens, Bruto höchstpersönlich, hat sich mit mir verbrüdert. Was will man mehr von einem Abend in Paris?
La Creperie Bretonne fleurie
67 , Rue Charonne
75011 Paris
Tel. : +(33) 1 43 55 62 29

4 Comments:
habe gerade festgestellt:
Da war ich auch schon. Meine Bekannten wohnen ungefähr 30 m weiter.
Nette Creperie. So mit Cidre aus Tonschalen. Sicher besonders bretonisch.
Martin
Das ist ja lustig. Schönes Viertelchen in dem deine Bekannten da wohnen.
By the way: Muhtown??? Stehst du auf Kühe oder was? :-)
Motown ist ja schon vergeben.
Und Muhtown passt einfach besser zu Südbayern.
Von Kühen find ich ehrlich gesagt nur das weiße Produkt zum Kaffee ergänzen besonders gut.
Sonst sind sie mir egal. Hauptsache sie treten mir nicht auf die Füsse, oder scheißen drauf.
Motown ist ja schon vergeben.
Und Muhtown passt einfach besser zu Südbayern.
Von Kühen find ich ehrlich gesagt nur das weiße Produkt zum Kaffee ergänzen besonders gut.
Sonst sind sie mir egal. Hauptsache sie treten mir nicht auf die Füsse, oder scheißen drauf.
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