Sich zum Deppen machen, Part 2

Ich hatte ja bereits erzählt, von dem Abend in einer Berliner Karaokebar. Bisher bin ich davon ausgegangen, so etwas gäbe es im kleinen gemütlichen München nicht.
Bis ich eine Einladung zu einer 30.Geburtstagsfeier erhielt. In der SMS stand schlicht: Thai Restaurant Chao Khum, Türkenstr. 9, 20 Uhr. Ich also um 10 vor Acht an der Trambahnhaltestelle Pinakothek ausgestiegen und erst mal planlos. Bis ich feststellte, dass die Türkenstraße unterhalb der Pinakothek noch weitergeht und dass sich in diesem „Wurmfortsatz“ auch ein Thailänder befand. Ich also rein ins Lokal und erst mal festgestellt: Mist, ich bin die Erste! Beim Blick in die Speisekarte festgestellt: Mist, schon wieder Animierbarpreise! Und beim Blick ins Rund: Aha, eine Karaokebar! Hatte mir ja niemand vorher mitgeteilt.
Verglichen mit Berlin übrigens eine technisch hochprofessionell ausgestattete Karaokelocation: Mit Bühne, Leinwand, Tanzfläche und teilweise sogar den Originalvideos als Begleitung (also nicht die irritierenden, asiatischen Videoklone, in denen zu Uptown Girls mal eben eine Katze durchs Bild läuft oder minutenlang ein Stilleben abgefilmt wird). Irgendwann kamen noch mehr Gäste, unter anderem ein paar Tische von Bachelorette-Parties, zu deutsch Junggesellinnenabschiede. Der Tisch nebenan trug beispielsweise komplett enge kurze gleichfarbige Kleider aus Chinaseide im Partnerlook, sehr bizarr. Jedenfalls scheint man nicht mehr in Tabledancebars gehen zu müssen, wenn man sich vom Singleleben verabschiedet, sondern man stellt einfach nur sein eigenes (meist bescheidenes) Sangestalent öffentlich aus. Gut zu wissen.
Mittlerweile trudelten meine Mitfeiernden ein und ich stellte fest, dass der Großteil der Gruppe aus schwulen Jungs Anfang, Mitte 20 bestand. Was ja völlig ok gewesen wäre, wäre ich in der Lage, sie auseinanderzuhalten. Im Grunde handelt es sich um ein ähnliches Phänomen wie mit Schwarz-Weiß-Filmen: Ich kann die Gesichter einfach nicht auseinanderhalten. Und der Rest (Outfit, Frisur, Haarfarbe, Anmutung) war exakt gleich, zumindest für meine Augen. Selbes Problem hatte ich übrigens während der ersten 4 Folgen von „Queer as Folk“ (so was wie Sex and the City auf schwul, mit etwas mehr Popperei).
Aber egal: Ich musste ja nur singen. Und was? Hm, eigentlich beschränkte sich meine Auswahl: Can`t buy me love von den Beatles. Und dann wollte ich die Bühne verlassen. Aber es folgte dann noch: Knowing me, knowing you – Abba, Something stupid-Robbie Williams und Nicole Kidman und irgendeine Liebesliedschnulze, die ich vergessen habe. Klang alles eher nach Punk, dann.
Irgendwann gegen 1 Uhr nachts zeigte die Bar dann übrigens ihr zweites Gesicht. Da wurden dann nämlich zunehmend junge Thailänderinnen mit älteren deutschen Männern gesichtet. Ich bin dann auch gegangen. Man muss sich ja nicht alles geben. Aber die thailändischen Lieder, die die Damen geträllert haben, die waren dann doch allesamt recht nett.

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