Sowieso und Irgendwo

Mittwoch, Mai 24, 2006

Das Kind im Mann und der Hausdrache in mir


Wenn mich jemand fragt, warum ich keine Kinder will und was mich eigentlich davon abhält endlich mit einem Mann zusammenzuziehen, dann antworte ich mit den Allgemeinplätzen "zu jung" oder "kein Bock". Und das ist auch wahr. Aber vielleicht nicht die ganze Wahrheit.
Immer öfter stelle ich auch fest, dass ich mich auch weigere, mich näher mit dem Alltagskram zu beschäftigen den solche Beziehungsmodelle mit sich bringen. Ich hab mein Leben einigermaßen im Griff, alles läuft nach meinem eigenen Plan. Wenn ich Haare im Abfluß habe oder Geschirr zwei Wochen ungespült lasse, dann ist das mein eigenes Bier. Deswegen kann ich auch locker und entspannt sein.

Was in trauter Zweisamkeit passieren würde, kann ich bei Wochenendstippvisiten meines Mannes besichtigen.Warum, z.B. ,läßt meine bessere Hälfte immer das Shampoo offen stehen? Immer! Ich kann also die Zahnpasta-Trennungsstories von langjährigen Pärchen gut verstehn...
Und warum kann ich nicht entspannt damit umgehen, dass ebendieser Mann gewillt ist, fast 200 Euro in ein paar Schuhe zu stecken? Oder beim Einkaufen keineswegs zögerlich ist, sondern was ihm gefällt einfach mal sofort kauft, ohne nochmal drüber zu schlafen? Man stelle sich mal diese Situation vor, wenn wir nicht strikt getrennte Kassen hätten sondern irgenwie gemeinsame Haushaltsführung. Nicht auszudenken zu was für einem Hausdrachen ich mutieren würde.

Man ziehe nur nochmal die klassischen Bilder von Männern und Frauen in Erwägung (also zumindest bei solchen, mit denen ich mir eine Beziehung vorstellen kann): Männer haben so ihre Leidenschaften, z.B. ihre Plattensammlung, ihren Computer, den Fußball oder manchmal auch ihren Job. Das ist völlig akzeptiert und auch irgendwie attraktiv. Im Falle von "High Fidelity" sogar ziemlich attraktiv. Kennt irgendjemand irgendwelche weiblichen "Nerds"? Ich jedenfalls nicht. Und wenn, gehe ich jede Wette ein, dass das eher als "schräg" angesehen werden wird. Nerds haben aber immer auch die Tendenz sich dann und wann wie Kinder zu benehmen. Und dann werde ich in die Mamarolle gedrängt. Will ich das? Nein! Deswegen erhalte ich mir in Beziehungen auch mein eigenes Nerdtum.

Und wenn dann irgendwann Kinder ins Spiel kommen? Dann wird alles noch viel schlimmer. Ich würde den kleinen Rackern natürlich erstmal Manieren beibringen, man will ja auch weiterhin in einer Zivilisation leben und nicht in einer vollgesauten und vollgeschriehenen Umgebung. Mein Mann hingegen hat theoretisch schon eher Laissez-faire-Neigungen gezeigt. Eher so der Freizeitspass-Daddy-Typ eben. Das würde noch viel mehr dazu führen, dass ich verspannt wäre. Und verbiestert und verknöchert und frustriert wollte ich eigentlich nie werden. Deswegen (aber nicht nur deswegen) bevorzuge ich erstmal weiterhin eine lockere, freudige und ganz und gar entspannte Wochenendbeziehung ohne gemeinsame Wohnung und vor allem ohne Nachwuchs.

Und genau darüber steht heute anläßlich des bevorstehenden Vatertags ein schlauer Artikel in der Frankfurter Rundschau. Müssen unbedingt alle Frauen lesen. Und Männer sollten mal abgleichen, ob sie sich wiedererkennen.

2 Comments:

Blogger Nicky said...

wer, um Gottes Willen, ist Franzisco?

7:40 PM  
Blogger Nicky said...

delegationsmami? warte, bürschchen, bist du mir das nächste mal unterkommst :-)!

5:05 PM  

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