Sowieso und Irgendwo

Samstag, März 25, 2006

Die schnackseln zuwenig, diese Deutschen




Großes Thema: Fertilität, Kinderkriegen, Fortpflanzung, Reproduktion, Aussterben und alles was da noch so mit dran hängt: Schnackseln, Familie, Verpflichtung, Kinder,…

Ich hab ja versucht, diesen ganzen Irrsinn zu ignorieren. Aber irgendwann gings dann nicht mehr. Sei es, dass man vom Bundesvorsitzenden der Jusos schwach von der Seite angepampt wird, weil man das Vater-Mutter-Kind-Modell nicht ganz so fraglos super findet wie er, sei es, man versucht sich in Ruhe mit irgendeinem Printmedium dieser Republik zu beschäftigen.
Denn seitdem die FAZ gemeinsam mit dem Spiegel und der BILD begonnen hat, sich um den Fortbestand des deutschen Volkes Gedanken zu machen, kommts von allen Seiten knüppeldick. Es scheint, jeder Einzelne Schreiberling (insbesondere deren weibliche Version) hat seinen Senf hinzuzugeben.

Also hab ich beschlossen mal einen kleinen Überblick über die Stränge der kruden Debatte zu erstellen. Bitteschön:

Erstens: Das Demographieproblem und die Rente
Eigentlich ein alter Hut, dem leider F. Schirrmacher mit seinem Buch "Minimum" und der Panikdebatte in der FAZ wieder Auftrieb verliehen hat. In abgespeckter Variante (Ja, wenn es immer mehr Rentner gibt und immer weniger Beitragszahler…) leider bereits als Argumentationsmuster in den politischen Mainstream eingesickert. Nichtsdestotrotz falsch, wie Josef Joffe in der Zeit und der Statistikprofessor Bosbach in der Netzeitung nachweisen (und Norbert Blüm auf Seite Zwei der gestrigen Süddeutschen, leider nicht online). Blumenau von fm4 findet übrigens, dass Schirrmacher leichtsinnig über die Belastung des Begriffs Familie durch den Faschismus hinweggeht. Naja, auch ne Sicht...

Zweitens: Der Wert Familie vs. Verantwortungslose Selbstverwirklichung
Übler, weil in dieser Heftigkeit neu, ist die entbrannte Auseinandersetzung zwischen verantwortungsvollen Familienmüttern und -vätern und egoistischen Kinderlosen (hier natürlich insbesondere die Frauen, noch besonderer die Akademikerinnen): Hier dominiert Befindlichkeitsschreibe, Betroffenheitsgeschwätz und Schuldzuweisungen, die sich munter die Waage halten.
Beteiligte Zeitungen und Schauplätze: SZ-Magazin von heute (Frau entdeckt, dass sie ihre wahre Bestimmung, Kinder zu kriegen vernachlässigt hat zu Gunsten kurzlebiger Egoismen wie Selbstverwirklichung), die Zeit (Autor entdeckt, dass schlechterzogene Kinder andere vom Kinderkriegen abhalten könnten), die taz (für Frauen sollte Kinderkriegen wirklich GUT überlegt sein; zu finden in der Sonderausgabe zum Frauentag am 8.März) und sämtliche Stamm- und Cafehaustische dieser Republik.
Einzig verwunderlich daran ist, wie schnell sich auch in der Linken jegliches Gespür für Individualismus und Selbstverwirklichung verflüchtigt hat. Krise halt.

Drittens: Das Alleinsein als neue Lebensform
Neuestes Lieblingskind der Feuilletons. Ulf Poschardt, ehemaliger Poplinker, nun eher oberster Reaktionärliberaler der Berliner Republik, hat ein Buch geschrieben über das „Alleinsein als Lebensstil“.
Ich hab das Buch nicht gelesen, aber gestern mit Vergnügen eine Ausgabe des Nachtstudios verfolgt, wo Poschardt mit zwei Familienideologen (ein Psychotherapeut und ein Philosoph) aufeinanderprallte. Man kann ja von ihm halten was man will (und ich halte nicht viel von ihm), aber in dieser Diskussionsrunde war er mit Abstand der vernünftigste Teilnehmer. Erkenntnisse wie, dass es für Frauen eindeutig schwerer ist, mit sich alleine zu sein, weil es keine weiblichen Rollen gibt, die diesem Bild entsprechen (im Gegensatz zu beispielsweise dem einsamen Wolf oder dem Intellektuellen) oder dass man, um eine vernünftige Beziehung führen zu können, erst mal mit sich selber klarkommen muss, die sind so falsch nicht. Bin gespannt, was uns da noch so blüht.

Ach: Die Junge Union in Oberfranken hat übrigens zur Bekämpfung des Geburtenrückgangs eine Partnerbörse ins Leben gerufen. Man beachte die Fotos. Da möchte man doch lieber nicht in Oberfranken leben :-)

2 Comments:

Blogger Nicky said...

Mir würde schon reichen, wenn diese penetrante Kampagne der bekennenden Kinderliebhaber endlich aufhören würde. Sollen sie doch Kinder kriegen, wenns unbedingt sein muss, aber ich möchte bitte nix davon mitkriegen!

8:35 PM  
Blogger Nicky said...

Ich bilde mir ein, im Flagship Store in Berlin Mini-Fred Perrys gesehen zu haben.
Zur not einfach das Kind mästen, dann passts bald in die kleinste Frauengröße (die für Magersüchtige :-))

10:26 PM  

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