Sowieso und Irgendwo

Montag, Februar 13, 2006

Back to the Future


SchülerInnenkongress 2006. Dieses Großereignis der jugendlichen Politikkultur fand am letzten Wochenende in der Jugendherberge Nürnberg statt. Die Vorankündigungen waren vielversprechend: eine Karaokemaschine und keine Gnade für anwesende Stargäste aus Politik o.Ä. Und nachdem niemand am Samstagabend in München mit mir zum Indiepopkaraoke in die Rote Sonne gehen wollte, pilgerte ich nach der Vorstandssitzung eben auf einen kleinen Zwischenstopp zur Burg. Dies sollte also mein erster Kongress nach meiner eigenen Juso-Schülerzeit werden. Ich war gespannt. Waren die Teilnehmer jung? War ich alt? Würde ich auffallen? Und: Würde sich Gelegenheit finden, in kulturpessimistisches Heulen ob der heutigen Jugend auszubrechen?


Objektiv betrachtet war ich alt: Immerhin Mitte Zwanzig und mit Studienabschluss, also 12 Semestern auf dem Buckel. Allerdings hatte ich weiße 60iesPlastikboots in bester Girlie-Manier angelegt, das dürfte 3-4 Jahre bringen und meine Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Trotzdem, älter war nur der Juso-Landesvorsitzende und das auch nur 2 Jahre, heul.


Objektiv betrachtet waren die Teilnehmer jung: Nämlich größtenteils irgendwo zwischen 15 und 18 Lenzen angesiedelt. Die drei Zwölfjährigen erwähne ich jetzt nur am Rande das artet dann doch etwas aus. Das könnten ja meine Töchter sein, heul. (Naja, fast)


Objektiv betrachtet bin ich solange nicht aufgefallen, bis ich zum Karaokemikro gegriffen habe. Dann allerdings schon. Glücklicherweise hatten meine sängerischen Vorgänger die Latte recht tief gehängt und ich mein Lied (Uptown Girls) strategisch gewählt (das Leichteste auf der Liste), deswegen war der Auftritt wohl so langweilig, dass sich der Saal eher für Bierflaschen und Kongresstratsch interessierte. Mit Ausnahme der Kamerafrau, sodass eine objektiv unbestechliche Videoaufnahme dieses Weltereignisses existiert. Ich möchte ja nicht wissen, wo das noch mal zu meinen Ungunsten benutzt wird.


Und gab's Anlass zum Kulturpessimismus?
Nun ja, es mag Verklärung sein, aber ich bilde mir ein, früher bessere Musik auf Kongressen gehört zu haben. Irgendjemand muss mir mal die Begeisterung Jugendlicher vom Land für Bands wie Schandmaul oder Wizo erklären. Ansonsten Nichtigkeiten von Christina Aguliera bis zu Mambo Nr. 5. Lustig war, dass einzelne Teilnehmer mit ihren MP3 Playern auf der Party saßen und ihre eigenen Kopfhörer in den Ohren hatten. Insbesondere weil eine Überprüfung desselbigen durch mich eine qualitativ annähernd gleichwertige Musikauswahl ergab (Subway to Sally und Slipknot). Das ist ja als geht man zum SPD Bundesparteitag und hört, verweifelt ob der seichten Rede von Platzeck, auf seinem MP3 Player eine Rede von Scharping in Repeat. Rätselhaft.

Was ich sonst noch nicht verstehe:

  • Warum singen beim Karaoke alle „Yesterday“ oder „Wind of Change“? Was ist aus den guten alten Klassikern wie „Ich will keine Schokolade“ oder „I will survive“ geworden? Glauben Leute, dass langsame Songs vorteilhaft für schlechte Sänger sind? So wie „füllige“ AsF Frauen, die sich in schwarze Stoffzelte hüllen, um ihre Pfunde zu verdecken und dann als 1-Frau-Beduinenzelt durch die Gegend wandeln.
  • Warum werden die männlichen Neumitglieder bei den Jusos wieder deutlich hübscher? Gibt’s da irgendwo ein Nest? Fanden hübsche Jungs Angela Merkel so abschreckend, dass sie in die SPD eintreten mussten?
  • Warum schauen mich Menschen, die aussehen wie astreine Britpopper (oder zumindest Skateboarder) an wie Autos wenn ich von Tocotronic erzähle? Oder von Blur? Oder von The Clash vs. The Ramones vs. The Sex Pistols? Ja, liest denn die Jugend nicht mehr anständig ihre Spex?
  • Und die Frage des Wochenendes: Wie reagiert man würdevoll auf die Frage: “Wie alt bist du? 21, oder?“ Die Antwort: Man sagt einfach immer „Ja“.

1 Comments:

Blogger Nicky said...

Did you forget, how I used to flee the cameras? I guess, that limits the number of pictures available :-)

3:15 PM  

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